Mobilfunkunternehmen verlassen klassisches Kerngeschäft
Nach einer aktuellen Markteinschätzung von Steria Mummert Consulting verabschieden sich deutsche Mobilfunkunternehmen vom klassischen Kerngeschäft, um bis 2015 ihren Umsatz mit neuen mobilen Internetdiensten und eigenen Downloadplattformen zu verdreifachen. Nötig sind hierzu schnellere mobile Breitbandnetze. Den Grundstein für den Aufbau dieser sog. Long-Term-Evolution-Netze (LTE) wollten die Telekommunikationsunternehmen mit der Ersteigerung freiwerdender Funkfrequenzen legen.
Da mit der traditionellen Telefonie immer weniger Gewinne erzielt werden können, suchen Mobilfunkbetreiber nach alternativen Serviceleistungen, die durch den Aufbau schnellerer LTE-Breitbandnetze möglich werden, z.B. mobile Webkonferenzen für Geschäftskunden. Privatkunden könnten beispielsweise Filme und aktuelle TV-Sendungen in bester Qualität an mobilen Endgeräten anschauen.
Die LTE-Technik öffnet den Mobilfunkbietern darüber hinaus die Möglichkeit neuer Preismodelle. Mit dem Netz kann man Qualität und Geschwindigkeit auf verschiedene Kundenbedürfnisse zuschneiden. Zum Beispiel können Mobilfunkunternehmen Nutzern ihrer eigenen Download-Plattformen optimierte Verbindungen zuweisen, im Vergleich zu anderen Internet-Quellen. Aus Unternehmenssicht wird zudem eine verbrauchsabhängige Auslastung der Netzkapazitäten möglich, vergleichbar mit dem Smart-Metering-Ansatz der Energieversorger. Die maximale Geschwindigkeit von aktuell 100 MBit pro Sekunde wird abhängig von der Nutzung verteilt. Jeder Kunde entscheidet selbst, welche Bandbreite und Qualität er benötigt und bucht bei Bedarf einen entsprechenden Premiumdienst hinzu. Über derartige Geschäftsmodelle können die Netzbetreiber künftig wieder deutlich mehr Gewinne erzielen.
Abgesehen von der Entwicklung innovativer Serviceangebote rechnen die Mobilfunkunternehmen mit einem deutlich profitableren Netzbetrieb. Als "Selbstoptimierendes Netz" (SON) wickelt die LTE-Technik zahlreiche, bisher manuell durchgeführte Vorgänge vollständig automatisiert ab. Dazu gehören beispielsweise die Algorithmen zur Übergabe der Handyverbindung von einer Funkzelle zur nächsten, wodurch deutliche Kosteneinsparungen möglich werden können.
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