Server & Hosting - unendliche IT-Welten?

Nils Kaufmann

 

Über die Vielzahl der Angebote des Hosting-Segments

Kaum eine andere Industrie ist solch extremen Schwankungen und radikalen Veränderungen in Rekordtempo unterworfen, wie das IT-Business. Selbst gestandenen IT-Profis fällt es zuweilen schwer, den aktuellen Hype vom zukunftsweisenden Trend ad hoc zu unterscheiden und vor allem auch die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Der Kunde hat eine Reihe von Wünschen, Vorstellungen und Anforderungen bezüglich seines ITProjektes und die Fragen zu Kosten. Wie kann es sein, dass sich auf den ersten Blick ähnelnde Produkte so ungeheuerlichen Preisschwankungen unterworfen sind? Der oft zitierte Autovergleich taugt hier nicht – ein Dacia lässt sich ebenso wie ein Maybach ansehen und erfühlen, ein (shared)-Server nicht.

Für den Laien scheint ein 5-Euro-Webhostingpaket und ein 300-Euro-Dedicated Server selbiges zu tun, nämlich ein Produktivumfeld für eine beliebige Applikation respektive Anwendung bereitzustellen. Hier liegt ein anderer Autovergleich nahe: Webhosting ist wie eine Fahrgemeinschaft, bei welcher man weder Einfluss auf die Mitfahrer und deren liebenswerte Eigenheiten, noch auf die Art und Ausstattung des Fahrzeuges hat; die Mitnahme von Gepäck oder spontane Geschwindigkeitskorrekturen sind nur in stark beschränktem Maße möglich. Warum sollte man sich also überhaupt für diese Transportmöglichkeit entscheiden? Wer nur einfach von A nach B möchte, fährt hier am günstigsten. Man teilt sich nicht nur Platz und Leistung, sondern vor allem auch die Kosten. Sicher, auch innerhalb dieses Segments gibt es natürlich immense Qualitäts- und Ausstattungsunterschiede, jedoch bleibt sich das zugrunde liegende Prinzip gleich. Ein „shared Server“ ist im Wortsinn ein geteilter Server.

Der „dedicated Server“ ist die eigene Hardware. In diesem Zusammenhang das eigene Auto. Die Wahl der Größe und Ausstattung ist ausschließlich den individuellen Ansprüchen und den zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen unterworfen. Berücksichtigung sicherheitsrelevanter Einbauten hat hier oftmals höchste Priorität. Die Vorteile liegen auf der Hand: Als einziger Fahrer bestimmt der Kunde, wie er wohin fährt. Nachträgliche Umbau- und Tuningarbeiten oder etwaige Beifahrer bestimmt er selbst. Die Kosten liegen bei dieser Option allerdings ebenfalls alleine beim Halter.
Vor- und Nachteile müssen dem Kunden glasklar bei dessen Entscheidungsfindung benannt werden. Was sind ihm individuelle Konfigutierbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit wert? Diese Skills lassen sich, vereinfacht ausgedrückt, ganz einfach in den zu erwartenden Kosten abbilden. Ein sehr wichtiges, produktunabhängiges Kriterium ist der physische Ort des Hochsicherheitscenters, in welchem der (shared-) Server untergebracht ist. Befindet sich das Datacenter am anderen Ende der Welt, oder wird es, allen gesetzlichen Auflagen und Sicherheitsbestimmungen entsprechend, in Deutschland betrieben? Wer darauf Wertlegt, sollte sich bei seinem zukünftigen IT-Partner detailliert erkundigen.
Für Internet-Service-Provider steht die unbedingte Notwendigkeit einer offenen und ehrlichen Beratung des Kunden daher immer im Vordergrund. Braucht der kleine Handwerksbetrieb nur eine kleine Onlineplattform um sich zeitgerecht präsentieren zu können, dann muss das auch reichen. In diesem Fall spricht der Kostenfaktor im Bezug auf die Anforderung eine ganz klare Sprache, das heißt, dem Kunden genügt ein rudimentäres Hostingpaket, um seine Wünsche in puncto Webpräsenz verwirklicht zu wissen. Anders sieht es beim Business-Kunden aus, der unternehmenskritische Daten gesichert haben möchte, beim traf c-lastigen Onlineshop-Besitzer, für den Erreichbarkeit eine existenzielle Frage ist, oder beim stark außendienstorientierten Unternehmen, dessen Erfolg maßgeblich vom zuverlässigen und gesicherten mobilen Zugriff auf elektronische Nachrichten und Daten seiner Vertriebsmitarbeiter beim Kunden vor Ort abhängt. Der Einsatz von dedizierten Servern ist in diesem Zusammenhang wohl dringend angeraten.

Ein wesentlicher Punkt, über den sich ein ITInteressent klar werden muss, ist, daß es neben all den harten Fakten eines Hosting-Services einen erheblichen Kostenfaktor gibt - den Support. Da Support weder ein markenrechtlich noch verfahrenstechnisch geschützter Begriff ist, stellt er sich meist als weitaus dehnbarer als Zeit dar. Unternehmenspolitik und anvisierte Kundschaft des jeweiligen Anbieters sind hier absolut ausschlaggebend. Der mögliche Supportaufwand eines Unternehmens ist im Grunde ein simples Rechenspiel. Wer ungefähr weiß, was eine Arbeitsstunde eines ausgebildeten Administratoren kostet, der kann sich vorstellen, wie viel persönlicher Support bei einem monatlichen 29 Euro-Paket, inklusive aller bereitgestellter Hardwarestruktur, eingeplant ist. Dies hat selbstverständlich seine Berechtigung, eine klar definierte Zielgruppe. Ein Kunde, welcher sich für ein solches Paket entscheidet, ist entweder selbst ein Profi, oder setzt ganz einfach andere Prioritäten.

Ein Unternehmen, welches ganz oder teilweise seine IT-Abteilung auslagern und somit konsolidieren möchte, ist auf einen individuellen und kompetenten Support definitiv angewiesen, will man vermeiden, dass der Computerkurs-geschulte Praktikant kurzer Hand den Firmenbetrieb stilllegt oder dem geschätzten Mitbewerber versehentlich interne Kennzahlen online zur Verfügung stellt. Der Service zur Vermeidung solcher und ähnlicher Unglücke liegt im Angebot der Managed Server. Dies bedeutet, auch hier von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich interpretiert, der Provider kümmert sich um den ständigen Betrieb des Servers, dessen Überwachung bis hin zum Einspielen von Software-Updates und ähnlichem. Die dem zu Grunde liegenden Service-Level-Agreements bestimmen den Umfang eines solchen „Sorglos- Paketes“. Sicherheitsstandards im physikalischen Sinn, wie beispielsweise eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, oder auch pro aktives Monitoring, welches sich anbahnende Risiken erkennt und vorher de nierte Eskalationspläne in Gang setzt, sind einzuhalten. Nicht zuletzt die Erreichbarkeit und Kompetenz der technischen Hotline sind ausschlaggebend. Für ein Unternehmen macht ein Callcenter in Übersee keinen Sinn, ist es auf den direkten Draht zu der technischen Abteilung des Outsourcers angewiesen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass für jede Kundenanforderungen jeweils passende Produkte von dafür spezialisierten Anbietern existieren. Erworbene Kernkompetenzen sowohl im Massenmarkt als auch im Businessbereich werden professionell bedient.

Die führenden Dienstleister im Hosting-Bereich können im Gegensatz zu manch anderem traditionsbewussten Industriezweig mit Fug und Recht behaupten, gerade den Umständen zum Trotz, sich frühzeitig eine der wichtigsten Erkenntnisse des modernen Customer Relationship zu eigen gemacht haben: Statt Kunden für Produkte zu suchen, kreieren sie Produkte für Kunden. Die visionäre Vorwegnahme der Kundenbedürfnisse und Flexibilität in deren Bedienung haben die IT-Industrie als eine der führenden Größen der Weltwirtschaft etabliert. Und verglichen mit anderen Branchen stehen wir erst am Anfang. Unendliche Weiten.

 

 

Nils Kaufmann, centron GmbH

Wie denken Sie als Internet-Service-Provider über Cloud Computing?
Trotz der allgegenwärtigen In ation der Superlative bleibt hier festzuhalten, dass sich mit Cloud Computing eine echte Revolution anbahnt. Wir beobachten dieses Thema sehr genau und evaluieren mittels interner Studien und Laborversuche derzeitige Chancen und Risiken. Für die centron als Premium-Dienstleister im sehr sensiblen Business-Segment sind Datensicherheit und Verfügbarkeit erste und letzte Service-Maxime. Bis alle Parameter des Cloud Computing den Ansprüchen unserer Clientel genügen wird es noch einige Zeit dauern.

Ist Virtualisierung ein Thema für Sie?
Selbstverständlich sind wir in diesem Thema seit Jahren aktiv und betreiben natürlich auch virtuelle Umgebungen. Allerdings führt auch hier unsere strikte Firmenpolicy dazu, dass wir Virtualisierung nicht einfach nur zur Kostensenkung breit streuen, sondern gezielt zur Optimierung von dafür geeigneten Server-Landschaften produktiv einsetzen. Die richtige Balance zwischen Sicherheit und Konsolidierung spielt hier die herausragende Rolle.

Wie sehen Sie den IT-Markt in der Wirtschaftskrise?
Der IT-Markt wird, wie schon 2001, gestärkt daraus hervor gehen. Viele Unternehmen werden interne Kostensenkungen durch Einbeziehung ausgewählter Partner durchsetzen wollen und müssen. Unser bewährtes Outsourcing- Konzept, mehr Leistung und Qualität bei deutlich niedrigeren und planbaren Kosten, ist der optimale Schlüssel dazu.

Nils Kaufmann ist Account-Manager der Centron GmbH, Hallstadt, www.centron.de.

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